Mittagspausenvarieté – fressen und gucken für lau

Der schneidige Keyboardcowboy verweilt im Außenbereich des Foodoutlets seines Vertrauens und verspeist die gegen Bonuspunkte eingetauschte „Mexican Bowl“. Als er so dasitzt, und im Mund die Bohnen von Mais und Hack separiert, erspäht er aus dem Augenwinkel einen Beinahe-Auffahrunfall zweier Radfahrer. Gehört das wohl zum Bonusgericht?

Radfahrer Nr. 1 (RFN1) – Typ Familienvater, Anfang/Mitte 30, ausgestattet mit einem Herrenrad, Fahrradhelm und Kindersitz inkl. rot-weißgepunkteter Schutzhülle – hat augenscheinlich seinen Drahtesel ordnungsgemäß durch den Fußgängertunnel geschoben und bereitete sich auf das Weiterfahren vor. In dem Moment des Aufsitzens kommt Radfahrer Nr. 2 (RFN2) – ca. Mitte 40, sportlich, George-Clooney-Haartönung, buntes Mountainbike mit 48 Gängen – bremsend ins Spiel und kommentiert den Bremsvorgang.

RFN1 dreht sich um und fragt nach: „Was haben sie gesagt? IDIOT?! Haben Sie das gehört?!“ und sucht in der Umgebung nach Ohrenzeugen.

RFN2: „Ja, Du bist ja auch ein Idiot. Ich wäre Dir ja fast reingefahren …“

RFN1: „Das ist ja eine Frechheit. Was gibt Ihnen das Recht mich zu beleidigen? Warum sind Sie denn so aggressiv? Ich zeige Sie an, ich rufe die Polizei!“

RFN2: „Ja mach das. Ruf die Polizei an. Die lachen Dich dann aus, dass Du Dich wegen so einer Scheiße bei denen meldest.“

Während RFN1 zu seinem Mobiltelefon greift, betritt der Café-Besitzer (CB) von gegenüber die Bühne und versucht zu beschwichtigen.

CB: „Mach das nicht. Leute, es ist doch nichts passiert. Komm. Lass das sein. Er (RFN2) entschuldigt sich und gut ist.“

Davon hat sich RFN1 jedoch nicht abhalten lassen und führt ein Telefonat mit der German Foundation für Recht und Verfassung.

RFN1: „Hallo? Ja guten Tag, hier ist RFN1. Ich stehe hier beim keyboardcowboyschen Foodoutlet des Vertrauens und werde von RFN2 bedroht. Er hat mich als Idiot bezeichnet und ist mir gegenüber aggressiv geworden. Nein, ich kenne den Mann nicht- noch nie gesehen. Ja, er ist noch hier. Er hat gesagt er wolle hören wie Sie mich auslachen, weil ich Sie jetzt angerufen habe. Ja, hier beim Fußgängertunnel, genau. Er ist in mich reingefahren und hat mich als Idiot bezeichnet, ja. OK, danke.“

RFN2: „Du hast gesehen wie ich durch den Tunnel gefahren bin? Obwohl Du mit dem Rücken zu mir standest?!“

RFN1: „Ja!“

RFN2: „Und ich habe gesehen wie Du mir gerade € 500,- aus meiner Tasche genommen hast …“

RFN1: „Das werden wir ja gleich sehen …“

Während RFN1 zufrieden RFN2 angrinst, kommt Café-Angestellte (CA) ins Bild.

CA: „Könnt Ihr mir nen Gefallen tun und zumindest mit den Rädern hier von den Tischen verschwinden, dann können hier gleich auch noch ein paar Gäste sitzen. Danke.“

RFN1 schiebt sein Rad pflichtbewusst weiter in die örtliche Parkanlage. In diesem Moment kommt der CB, der sich zusammen mit seiner weiblichen Begleitung aus der Szene verabschieden will, auf RFN2 zu, murmelt etwas und macht eine typische Handbewegung. Daraufhin steigt RFN2 auf sein Sportgerät, winkt dem RFN1 freundlich grinsend zu und verschwindet in der Mittagssonne Richtung Horizont …

RFN1 blickt ihm konsterniert und ungläubig hinterher, zückt sein Handy, telefoniert, setzt sich seinen Helm auf und entschwindet – halb erleichtert, halb bedröppelt – ebenfalls gen Horizont.

Mit den Hauptprotagonisten ist auch der Hack-Bohnen-Eintopf verschwunden. Der Mittagspausenzuschauer verlässt mit vollem Bauch und einem Schmunzeln im Gesicht die Lokalität gen Arbeitverrichtungsstätte.

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