Der tödliche Pass

Wer bei dem Titel an eine Schwurbelgeschichte à la „COVID-19-Geimpfte werden im September alle sterben“ denkt, dem kann ich nur raten: Lass Dich impfen. Am besten 2 Mal gem. den Empfehlungen. Aber ein bisschen trillipampi!

Alle anderen dürfen sich über eine kleine Geschichte zur schönsten Nebensache der Welt freuen.

Richtig: Fußball. Es ist 1993. Wir sind mit ingesamt sechs Spielern aus dem damals scheidenden E-Jugend-Jahrgang unseres Heimatvereins zu einem Verein aus dem angrenzenden Zollgrenzbezirk gewechselt, da lange nicht feststand, in welcher Konstellation wir in der nächsten Altersstufe spielen sollten und Fragen im Raum standen:

  1. Wird es überhaupt eine Mannschaft geben?
  2. Wer wird uns trainieren?
  3. Spielen wir als D7er Kleinfeld (6 x Spieler plus Torwart) oder doch Großfeld?

Dazu gab’s dann noch ein paar andere Nebengeräusche, die wir Kinder aber nicht so richtig mitbekamen. So wechselten wir also zu einem anderen ambitionierten Verein der über unsere friesischen Spielqualitäten nicht traurig war. Von Torwart bis Stürmer hatten wir alles im Gepäck und stellten später beinahe immer die halbe Startaufstellung. Sofern im Training überzeugt wurde. Oder die Mütter dem Trainer schöne Augen machten, was natürlich völliger Quatsch ist, sich aber gut liest. Die Sache mit dem in die Aufstellung schlafen kam erst später im Herrenbereich. Da aber nicht der Trainer mit den Spielerfrauen, sondern die Spieler mit der Trainerfrau.

Ich hatte mich damals als einziger nicht getraut, weswegen ich auch trotz guter Trainingsleistungen auch sehr selten spielte.

Wo war ich? Ach ja. Trainingsleistung. Wir waren wie erwähnt eine ambitionierte Truppe mit einem nicht weniger ambitionierten Trainer, den wir wie selbstverständlich mit „Herr Adelmann“ anredeten. Kein: Holger (ich gaube so hieß der auch nicht; vielleicht Ludwig oder König Heinrich – das würde zumindest besser zum Adelmann passen) oder Du oder oder. Nein. „Herr Adelmann.“

Alle hatten Respekt vor ihm und seinem Fußballverstand. Er kritisierte konstruktiv, gab wertvolle Tipps und Verbesserungsvorschläge. Imme ruhig aber bestimmt.

Einmal jedoch überraschte er mich. Wir spielten sowas wie 5 gegen 5 auf kleinem Raum und meine Mannschaft war im Angriff. Ich spielte einen Pass auf meinen sich freilaufenden Mitspieler, der erfolgreich abschloß. Ich wollte mich freuen doch in diesem Moment durchzuckte mich ein „HALT-HALT-HALT!“ von Herrn Adelmann.

„Scheiße“ dachte ich, „jetzt gibt’s Ärger.“

Herr Adelmann gestikulierte, erklärte, sagte was von „Er hier hat den tödlichen Pass gespielt“, zeigte dabei auf mich und ich verstand nicht, was er damit meinte. Hatte ich jetzt etwa den Bock geschossen? Hätte ich den nicht anspielen dürfen? Aber der war doch der am besten geeignete Mitspieler … und er hat ein Tor geschossen. Ich zweifelte.

„OK, weiter geht’s!“ klatsche Herr Adelmann in die Hände und setze das Training fort.

Nach dem Training erklärte mir dann ein Mitspieler, dass der tödliche Pass nichts negatives sei, sondern eher das Gegenteil.

Das nachfolgende Video sollte das eigentlich sehr gut erklären:

Gemeint ist hier die astreine Torvorbereitung mit dem „tödlichen Pass“ durch die Abwehrkette, in den Lauf der Spielerin, die – nebenbei bemerkt – sehr sehenswert abschließt. Tor des Monats verdächtig. Öhö.

Im Jugendbereich spielte ich auch noch den ein oder anderen tödlichen Pass, nicht immer entstand ein Tor daraus. Doch mit dem Wechsel in den Herrenbereich, wurde ich – wenn überhaupt (Gründe siehe oben) – immer defensiver eingesetzt, da die Offensivabteilung meist mit langgedienten und erfahreneren Spielern ausgestattet war.

Als Ausgleich dafür perfektionerte ich den tödlichen Pass, der im eigenen 16er fast immer ein Tor bedeutet: für den Gegner.

2 Kommentare zu „Der tödliche Pass

    1. Vielen Dank.

      Mit wiederholt Geschichten erzählen halte ich es wie meine Religionslehrerin Fatima Maria Rosenstern, die auf in der Stunde doppelt gesagtes entgegnete: „Wurde schon gesagt, aber gute Sachen kann man immer zwei Mal sagen!“

      Gefällt mir

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