Türchen 19 – Der Schuhpolizist

Maria und Josef fuhren ein ganzes Stück ohne ein Wort zu sprechen. Das taten sie öfter. Aber das war nicht schlimm. Denn zusammen schweigen kann auch sehr schön sein. Wenn zwischendruch einer pupst oder rülpst, weiß man, dass der andere noch da ist.

Kurz vor Ortseingang zur Heimat, wurden sie von einer Liegefahrradstreife herausgewunken.

„Schönen guten Tag, Sie wissen warum ich Sie angehalten habe?“ begrüßte sie der muskulöse und tätowierte Polizist.

„Guten Tag Officer“, erwiderte Josef nervös. „Weil wir heute Morgen Nürberger und Schokocreme vom Buffet geklaut haben?“

„Was? Nein!“ antwortete der Polizist. „Für Späßchen bin immer noch ich zuständig, klar?“

„Glasklar“ gab Josef kleinlaut bei.

„Schönes Leihrad haben Sie da. Aber sagen Sie mal, haben Sie auch Winterschuhe an?“ wollte der Polizist wissen, deutete auf Josefs Botten und legte dabei seine Hand auf den Pistolenholster.

„Winterschuhe?“ fragte Josef, „wieso denn das?“

„Wenn Sie als Fahrradfahrer Ihre Fahrt unterbrechen oder beenden, sind Sie als Fußgänger verpflichtet, Ihr Schuhwerk an die Wetterlage/Jahreszeit anzupassen. Die Schuhsohlen müssen ausreichend Profil haben, dürfen keine Löcher aufweisen oder gar purös sein. Andernfalls bekommen Sie von mir eine Aufforderung sich neue zu kaufen oder zumindest die Lauffläche zu erneuern und diese fristgerecht vorzuführen“ beendete der Polizist seine Ausführungen.

Josef schluckte. Er schaute zu Maria, die ihm mit geschlossenen Augen zunickte.

Doch bevor Josef etwas sagen konnte, schlug ihm der Polizist lachend an die linke Schulter: „Mensch Josef, altes Pferd, ich bin’s, Fettenberger, erkennste mich nicht?“

„Ach was“ entfuhr es Josef, „ich hab Dich in der engsitzenden Uniform echt nicht erkannt. Da hast Du mich ja ganz schön aufs Korn genommen.“

„Ja ne?! Ha-ha-ha-ha“ platze es aus Fettenberger heraus. „Erzähl, was willste hier?“

„Wir gucken uns hier heute nen Haus an, wir bekommen Nachwuchs und brauchen mehr Platz“ erklärte Josef.

„Dann man tau, viel Glück“ wünschte Fettenberger und schob ein „aber neue Schuhe kannste Dir trotzdem mal kaufen“ hinterher.

Erleichtert schwang sich Josef auf den Stahlkoloss und brachte ihn wieder ächzend in Bewegung.

„Der Fettenberger. Kaum verändert.“ murmelte Josef. „Wir sind bald da“ flüsterte er der schlafenden Maria zu.

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