Türchen 24 – Der Traum vom Haus

Dann ging alles recht schnell. Unter der professionellen Anleitung von Jorge Gonzales Jesus Lima und Marias intuitives und professionelles Mitwirken, brachte sie tatsächlich in der Badewanne ihr Kind zur Welt.

„Hola chico, es is ein Junge. Un was für einer“ grinste Jorge Gonzales Jesus Lima, zwinkerte Josef zu, machte ein Zeichen mit dem Daumen und Zeigefinger der rechten Hand und durchtrennte die Nabelschnur mit einem Flamencoschritt: „Olé!“

„Josef, ein Junge“ strahlte Maria überglücklich. „Willst Du ihn mal halten?“

Erleichtert und mit Tränen in den Augen nahm Josef seinen Sohn auf den Arm und sagte immer wieder: „Ein Wunder, ein Wunder, ein Wunder …“ Als er ihn genauer betrachtete erschrack er: „Der sieht ja aus wie Karl Lauterbach?!“

„Bei uns in Kuba is tradicion dass der Hebamme die Name aussucht“ setzte Jorge an. „Ih taufe dich auf den Namen …“

Da schaltete sich der kleine Karl Lauterbach ein: „Also, da kann ich nur vor warnen. Eine wissenschaftliche Studie der Harvard-Universität hat ergeben, dass …“

Weiter kam er aber nicht, da in diesem Moment Olaf Scholz, Christian Lindner und Annalena Habeck auf einem Lastenrad ins Badezimmer gefahren kamen. „Wir kommen um den Messias in Augenschein zu nehmen!“ scholzte Olaf. „Wir haben eine Push-Nachricht bekommen. Als Zeichen unserer Anerkennung und Unterstützung haben wir einen Ministerposten, eine Bürste sowie ein Jahresabo von Elite-Partner mitgebracht!“

„Zum Glück gab es kein Tempolimit, sonst hätten wir es nicht rechtzeitig geschafft“ erklärte Christian Lindner stolz.

„Ohne Tempolimit wollen wir nun auch die Impfkampagne möglichst CO²-neutral nach vorne bringen“ ergänzte Annalena Habeck. „Im In- und Ausland. And in english of course!“

Der kleine Karl nutzte den Moment, rammte Josef eine Boosterimpfung in den linken Arm und klebte ein Dinosaurierpflaster auf die Einstichstelle.

„Olaf, grüß Dich“ merkelte Maria, „schön dass Du den Laden übernimmst und unser Lebenswerk weiterführst!“ Olaf setzte sein Schlumpfgrinsen auf und zeigte lässig mit ausgestrecktem Zeigefinger in Richtung Badewanne.

Josef wusste nicht wie ihm geschah. Auf einmal trafen immer mehr Leute ein. Alle hatte die Push-Nachricht bekommen. Der Lastenradverleihheini, die frechen Bäckereifachverkäuferinnen, Travel-Vincent aus dem Beikschlafhostel inkl. neuer Freundin und Durchlauftoaster unterm Arm, eine riesige Möwe mit Backfischbrötchen und MOIN-Hoodie, der Linksträger, Herr Kurze mit Fußball. Die Hundehalsbandfrau kettete den Mann vom Bild ans Klo, der Schuhpolizist kontrollierte die Schuhe aller Gäste und als letztes stolperte natürlich noch der Vorlasser ins Bild. „Fehlt eigentlich nur noch Hermann Römmer-Löns“ dachte Josef halb ironisch.

Er spürte, wie ihm immer mehr der Hals zugeschnürrt wurde. Mit jedem weiteren Gast, bekam er immer weniger Luft – nicht mal die Atemtechnik aus dem Geburtsvorbereitungskurs half ihm. Schließlich sank er ohnmächtig zu Boden.

Große Gesichter der Gäste kreisten um ihn herum. Die aggressive Möwe schnappte mit ihrem spitzen Schnabel immer wieder nach seinem Backfischbrötchen „MOOOOOOOIN-SÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖN!“ Der kleine Karl Lauterbach impfte und impfte ihn wieder und wieder. „MHD-bedrohte Moderna-Batch!“ Der Hebamme lachte immer lauter und stampfte immer wieder mit dem Fuß auf „Olè!“ „Du kriegst was Du bist“ lachten die Bäckereifachverkäuferinnen und Travel-Vincent bot ihm immer wieder „leckeres Porridge“ an.

Da hörte er Maria seinen Namen rufen. Erst leise und dumpf, doch dann immer deutlicher und lauter. Er schwitze. Es schüttelte ihn an seinem ganzen Körper und dann klatschte es 3 – 8 Mal in seinem Gesicht. Er schreckte hoch, riß die Augen auf und erblickte die über ihm gebeugte Maria.

„Was ist passiert? Wo bin ich? Wie geht es Karl Lauterbach?“ fragte Josef.

„Karl wem? Du wolltest dem Anbieter bei Wohntraum schreiben und bist dann plötzlich weggenickt“ klärte Maria ihn auf.

„Wohntraum?!“ wiederholte Josef, griff zum Handy und erblickte die Anzeige für die DHH. „Dann habe ich das alles nur geträumt?“ Er war erleichtert und erzählte Maria von seinem Albtraum, wie sie sich auf den Weg zur Besichtigung machten und in ein Liegerad steigen sollten. Davon, dass sie Porridge gegessen haben und schießlich davon, dass Maria sich vor der Besichtigung zu Angela Merkel transformiert und mit Hilfe einer männlichen Hebamme Karl Lauterbach zur Welt gebracht hätte. Josef war kurz davor zu hyperventilieren, aber mit der Atemtechnik aus dem Geburtsvorbereitungskurs, gelang es ihm sich mit einem „Pfüüüüüüüüüüüüüüü“ zu beruhigen.

Maria nickte ihm mit geschlossenen Augen zu, streichelte seinen Kopf und gab ihm einen Kuss. Auf sein Dinosaurierpflaster auf dem linken Oberarm.

Ende.

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